Wir brauchen Vielfalt

Junya Kumataki leitet bei Suzuki die Abteilung «Global Automobile Planning». Der 47-Jährige verrät, warum Suzuki weder eine einheitliche Formensprache noch grosse Autos braucht.
Kumataki-san, Sie lebten lange in Europa und können sicher viel über das unterschiedliche Geschmacksempfinden der verschiedenen Kulturen erzählen.
Junya Kumataki: Ich lebte in Italien, Frankreich und Grossbritannien. Und ja, die Geschmäcker sind verschieden, aber es gibt im Automobildesign immer wieder gemeinsame Nenner. So ist der Ignis, als wir ihn als Concept-Car in Tokio vorgestellt haben, von den Japanern genauso begeistert aufgenommen worden wie von der europäischen Presse. Es macht also keinen Sinn, sich an irgendeinen Stil zu halten, wir brauchen die Vielfalt. Suzuki ist berühmt für kleine Autos. Aber sie bedeuten oft auch kleine Gewinne.
Kumataki: Suzuki ist in finanzieller Hinsicht ein sehr gesundes Unternehmen – obwohl wir kompakte Fahrzeuge bauen. Wir sind Weltmarktführer im Sub-B-Segment. Kleine Fahrzeuge bedeuten für uns also auf keinen Fall kleinen Profit. Natürlich gehen Kunden zu anderen Marken, wenn sie ein grosses Fahrzeug wollen, aber andererseits ersetzen viele ihre grossen durch kleinere Autos oder suchen einen Zweitwagen. Der Baleno ist im Gegensatz zu anderen Suzuki-Modellen sehr clean und schlicht. Warum?
Kumataki: Der Baleno entstand in Zusammenarbeit mit einem externen Designstudio. Diese Leute gaben uns neue Inspirationen. Das sogenannte Liquid Flow spiegelt sich in fliessenden Karosserielinien, die den Körper umgeben, wider. Etwa wie bei einem Schwimmer, der vom Wasser umflossen wird. Der Baleno ist flüssig, der Vitara eher verspielt, der kommende Ignis geradlinig und kantig. Warum keine einheitliche Designlinie?
Kumataki: Das erklärt sich aus unserer Historie. Wir haben auf dem japanischen Markt mit kleinen Kei-Cars angefangen, deren Länge, Breite und Motorisierung mehr oder weniger vereinheitlicht sind. Damit sich die Modelle untereinander und gegenüber dem Wettbewerb unterscheiden, streben wir eine möglichst grosse Differenzierung an. Das geht nicht mit einem Einheitsdesign. Trotzdem suchen wir immer wieder Motive, die wir auf alle Modellreihen anwenden können, um eine gewisse Homogenität zu erzeugen. Aber ein Familiengesicht streben wir nicht an. Der Baleno hatte einen Vorgänger, der Ende der 90er-Jahre gebaut wurde, notabene auch als Kombi. Warum mussten wir bis jetzt auf einen Nachfolger warten?
Kumataki: Ich sehe den neuen konzeptionell nicht als Nachfolger des alten Baleno, aber wir nutzen den bekannten Namen. Neue Modellbezeichnungen benötigen umfangreiche Abklärungen über Namensrechte oder die Bedeutung in den einzelnen Sprachen. Deshalb bot es sich an, eine ungenutzte Bezeichnung zu verwenden. In der Schweiz sind Kombis sehr beliebt. Können wir einen Baleno Kombi erwarten?
Kumataki: … und möglichst mit 4x4 und Automatikgetriebe? Genau!
Kumataki: Wir beobachten die Märkte sehr genau. Aber eine Produktentscheidung hängt von den erzielbaren Verkaufsvolumina ab, die uns die Verantwortlichen der einzelnen Länder melden. Und danach kann ich Ihnen, so leid mir das tut, versichern, dass keiner in Planung ist. TEXT: auto-illustrierte

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